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Primeurabend

 22.11.2oo8 bei Familie Würth

 Es war mal wieder soweit, wie jedes Jahr im November gab es wieder einmal eine Primeur-Verkostung mit Menu in Reuden. Wegen diverser Ausfäll waren es diese mal nur 12 Teilnehmer, die sich das französische Highlight des Jahres nicht entgehen lassen wollten. Dieses mal war auch eine echte Französin dabei. Pascale stammt aus Südfrankreich und es stellte sich heraus, dass sie und Wolfgang im Jahr 198o, nicht 188o, wie viele meinten, einmal nur ca. 5 Meter voneinander entfernt waren. Während Wolfgang in der Kooperative von Villedieu Wein verkostete und kaufte, wohnte sie als 6-jähriges Mädchen mit ihren Eltern ein Stockwerk höher, im DG der Weinkooperative. Ihr Vater was damals der Direktor. Zwischenzeitlich hat er mehrfach die Kooperative gewechselt und wird nun bald im Languedoc in Rente gehen. Pascale studierte derweil Deutsch an der Loire und blieb nach einem Praktikum in der Touristikbranche in Frankfurt hängen.

Auch unsere Französischlehrerin aus Wittenberg nebst Mann war wieder da. Ihre Tochter studiert gerade französische Geschichte in Metz. Ein weiterer Gast stammt aus Aachen, was ja eigentlich französisch ist, oder jedenfalls mal war. Es heißt in Frankreich übrigens Aix la chapelle, der dort erstmals gekrönte Kaiser nicht Karl der Große, sondern Charlemagne. Die Franzosen halt.

Zur Speisenfolge ist zu sagen, dass sie diesmal so ausgerichtet was, dass nur noch geschnitten, aufgewärmt und verteilt werden musste. Dies als Vorbereitung für die drei folgenden Primeurabende in der KVHS Saalekreis in Halle. Dort ist keine Küche vorhanden.

Während das Menu auf allgemeine Zustimmung stieß, konnte das Weinangebot nicht überzeugen. Das erste was auffiel, war, dass es ein sehr geringes Angebot gab. Verschiedene Discounter und Supermärkte hatten keinen Primeur, andere nur einen einzigen. So mussten wir dieses Jahr einen Primeur zweimal blind verkosten, wobei sich die Punktzahl seltsamer Weise bei manchem Juror deutlich unterschied. Als erster Wein fiel er glatt durch, aber als fünfter konnte er Punkten. Beim Bier ist es ja genau umgekehrt. Der erste Schluck ist immer der Beste. Sogar ein übles Plagiat aus dem Anbaugebiet Cote du Rhone schnitt außerhalb der Wertung sehr gut ab. Gut, vielleicht sollte man sich bei einer Primeurverkostung nicht unbedingt eine Weinexpertin dazu einladen. Sie erinnern sich, die Tochter des studierten Önologen mit dreißigjähriger Erfahrung in der Leitung von Weinkooperativen. Nein, sie war lieb und sehr nett, aber so einige Einsichten in die Welt des Weines können einem schon die Illusionen rauben. Pascale meinte, der Primeur würde in Frankreich vor allem von Studenten getrunken. Diese haben kein Geld, fahren also Opel und trinken Primeur. Den Spaß haben wir aber nicht verloren und spätestens nächsten November werden wir wieder antreten. Es gibt schließlich Dinge, die ein Freund Frankreichs tun muss, und wenn es das letzte ist, was er sich gibt.

Und noch ein kleiner Tipp. Bei der Primeurverkostung der KVHS Saalkreis in Halle hat der Primeur aus dem Anbaugebiet Cote du Rhone ebenfalls und mit einigem Vorsprung gewonnen. Und gleich noch einer, selbst der schlechteste Rotwein lässt ich mit einem Beutel Glühweinfix und einem Schuss Orangenlikeur oder Amaretto und etwas Zucker, nach kurzem aufkochen und etwa 1o-minütigem ziehen, in ein wohlig wärmendes Getränk umwandeln. Schön für kalte Abende vor dem Kamin.

Übrigens, auch die Ziehung 2oo9 ergab ein ähnliches Ergebniss. Der beste Wein war ein Billigprodukt aus dem Plus oder Penny. Sorry und schade um die 7,5o € für ein Weinkontor, er war nur auf Platz zwei.